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Ein Versuch über gated communities, geschlossene Wohnanlagen

Ich lehne eine generelle Verurteilung der Idee, dass Menschen in einem abgesicherten Bereich wohnen um ihr Leben zu schützen, ab. Ein Beispiel wäre die Green Zone in Baghdad. Doch Menschen in Europa oder den Vereinigten Staaten, die in eine gated community ziehen um sich vor Einbrechern zu schützen kann ich nicht verstehen, keinesfalls aus Sozialneid oder der Angst vor einem „Zerbrechen der Gesellschaft“, was auch immer das heißen mag.

Die Idee, dass Bewohner einer gated community ein Stück Freiheit gegen ein „Mehr“ an Sicherheit eintauschen, lehne ich ab. Freiheit und Sicherheit lassen sich nicht einfach abgeben und einfordern. Im Speziellen stellt sich mir die Frage, ob es nicht einfach eine irrationale Angst ist, die Menschen dazu bringt sich ein Haus in einem umzäunten und von Sicherheitspersonal überwachten Raum zu mieten oder zu kaufen. Eine absolute Sicherheit ist unmöglich, eine gewisser Schutz vor Einbrüchen wesentlich einfacher, es gibt es Versicherungen und überhaupt: Selbst wenn die Versicherungssumme für Kunstgegenstände und Designermöbel die Kosten für das Sicherheitspersonal übersteigen sollte, sind die größeren Bedrohungen der Vermögen der Vermögenden eher Finanzkrisen und höhere Steuern. Und davor schützen weder Zaun noch Kameras.

Darüber hinaus stelle ich mir das Wohnen in einer gated community eher langweilig und öde vor, Leben kann es schon gar nicht sein. Nicht weil ich es spannend finde Opfer von Kriminalität zu werden; die Vorstellung in einer Wohnsiedlung mit Menschen zu wohnen, die das Maximum an Ruhe in jeder Hinsicht haben wollen ist schrecklich. Die Vorstellung, dass jeder Besucher sich anmelden muss mindestens unangenehm. Solange die Bewohner sich nicht gegenseitig beobachten mag das erträglich sein aber generell tauschen sie nicht Freiheit gegen Sicherheit, sondern nehmen sich selbst Freiheiten um sich wohler zu fühlen.

Genug spekuliert vom Allgemeinen, hier Besonderes:

Die Central Park Residence in Leipzig sieht eigentlich ganz gut aus: „Modernes Wohnen im klassischen Ambiente“. Vielleicht ist das aber eher ein Mietshaus mit Concierge…

Könntet ihr (Leserinnen und Leser) euch vorstellen, in einer gated community zu wohnen? Vielleicht als Altersruhesitz? Sind gated communities eine gute Antwort auf Slums und alternative Wohnviertel?

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2 Responses

  1. mb sagt:

    Ich denke, dass der Einzug in eine gated community in westlichen Ländern wie Deutschland von einer „irrationalen Angst“, einer falschen Reflexion der Wirklichkeit und Aufgabe der eigenen Subjektivität, ausgeht.
    Es wird nicht Sicherheit gegen Freiheit getauscht – die Argumentation mit diesem Tausch, legt den beiden Momenten meistens eh eine fragwürdie Ausschließlichkeit nahe-, sondern viel eher wird das, von dir rezipierte Potential moderner bürgerlicher Archtiktur bei Benjamin, negativ aufgehoben.
    Die architektonischen Chrackteristika der weiten Flächen, der Transparenz bilden eine Entsprechng von Zweierlei: vom Daseins des wohnenden Subjekts als gesellschaftlichen Wesens mit Möglichkeit der Gestaltung eigener Gesellschaftlichkeit; sowie einer Entsprechung von der nötigen Aufnahmefähigkeit des neuen, als Konsument von Waren.
    In den gated communities oder auch den Stadthäusern in Leipzig fällt der gesellschaftliche Moment nahezu weg, bzw. scheint kaum einen Gedanken wert gewesen zu sein. Vor allem da diese Einrichtungen sich zumeist nicht wirklich in „gefährlichen Gegenden“ befinden. Etwas anderes wäre eine gated community in zb Rio De Janeiro.
    Dies macht für mich den regressiven Chrackter solchen Wohnens aus, wie du ihn ja auch beschreibst. Gesellschaft ist das Unveränderliche, diffus gefährliche, vor dem es sich zu schützen gilt. Gesellschaft kannn dies tatsächlich sein, nur wird dieser Widerspruch einseitig aufgehoben. Interessant dass die Innenarchitektur, wie von Benjamin beschrieben ja in den meisten Fällen bestehen bleibt nur eben durch die Abschottung dieses Breiches ihres Gehalts als „Raum für Begegnungen“ beraubt wird.
    (nicht ausgereift,sehr spontan)

  2. bechstein sagt:

    Witzig und gut dass du die letzten beiden Artikel zusammenbringst.
    Ob die moderne Innenarchitektur erhalten bleibt lässt sich nur im Einzelnen klären. IKEA pflegt ja u.a. auch das Ornament.

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