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Das Conne Island-Plenum erledigt sich selbst (leider nur geistig)

Länger als einen Monat brauchte das Conne Island-Plenum um nach dem ersten, gescheiterten Versuch, das Veranstaltungsverbot für BgA und Justus Wertmüller zu begründen. Auch der zweite Versuch bleibt ein solcher, in dem – in Form wie Inhalt monströs – allerlei Blödigkeiten ausgeplaudert werden, die nichts zur Sache tun. Trotzdem ist dieser Text ein Lehrstück politischer Prosa, an seinem Zweck gemessen völlig ausreichend. Die, die sich Justus Wertmüller als rassistischen und sexistischen Hetzer vorstellen oder die, die es ohnehin, dank Gender Studies, wissen, brauchen selbstverständlich kein Argument; für den politischen Akt reicht die Handlung, die Gründe müssen gar nicht nachgeliefert werden. Deshalb erscheint mir ein Protest sinnlos, da die Farce schon jetzt offensichtlich ist.

Die Blamage des Plenums war schon seit der ersten Äußerung abzusehen: es hätte unter nicht-dekonstruktivistisch-verblödeten Menschen ausgereicht, die angeblich rassistischen und sexistischen Texte Wertmüllers zu zitieren und dazu Begriffe von Rassismus und Sexismus…Ich breche hier ab um das Vergnügen nicht zu kurz kommen zu lassen, denn die Lächerlichkeit und Hässlichkeit wird erst am Objekt selbst deutlich.

Für meine Favoriten (eine Auswahl heisst nicht dass der restliche Text nicht komplett verrückt wäre), klicken Sie auf

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Um Sachlichkeit vorzutäuschen benutze ich im Sinne der Wissenschaftlichkeitstravestie Zahlen und als Unterpunkte Buchstaben, damit deutlich bleibt, was Zitat und was Kommentar (=„Diffamierung“,„Meinung“) ist.

1. Das Problem der Polemik

1.1  Über Polemik kann man bekanntlich geteilter Meinung sein. Manche mögen sie, andere nicht.

1.1a) Über Menschen, die Polemik als solche ablehnen, gibt es nur eine vernünftige Meinung: es müssen Idioten sein.

1.2  Denn sie hat, wenn sie gut ist, einen wahren Kern und ihre Übertreibung ist zu offensichtlich, um sie wörtlich zu nehmen.

1.2b) Es ist ja eine weit verbreitete Dummheit, dass gute Polemik nicht gerade in ihrer Übertreibung den wahren Kern trifft. Aber halbgebildete Linke, die ohnehin auf alles scheissen was Begriff oder Sinn hat, also dekonstruierbar ist, müssen überhaupt nichts ernstnehmen.

2. Der Reigen

2.1  Das Bündnis gegen Antisemitismus schreibt in seinem Text Viefalt tut gut: „Den Reigen eröffneten Mitglieder des ‚Antifaschistischen Frauenblocks Leipzig‘ (AFBL) […]

2.2  Die Erwähnung der gegoogelten Zitate erfolgte beim letzten, dritten Plenum zum Thema. Der Reigen wurde damit also nicht eröffnet, sondern beendet.

2.3  Die Mitglieder des AFBL, die tatsächlich den Reigen eröffneten, sprachen nicht als AFBL-Mitglieder, nahmen keinen Bezug auf das AFBL und sind gleichzeitig Mitglieder vieler anderer Gruppen und Zusammenhänge (wie z.B. der Mailingliste des Bündnis gegen Antisemitismus[!], auf der die Wochen zuvor schon eine sehr heftige Debatte zu Sarrazin und Wertmüller tobte, weswegen genau diese Personen dann auch mit ihrer Kritik an Wertmüller den Reigen eröffnen konnten.)

2.a) Der nicht eröffnete, sondern schon beendete Reigen wurde von nicht identifizierbaren Individuen eröffnet, und das ist schon der nächste Punkt:

3. Die AFBL-Mitglieder, die gar keine sind:

3.1  Die Mitglieder des AFBL […]

3.2  als AFBL-Mitglieder zu bezeichnen, ist einfältig und übel […]

3.3  (weil beim Schreiben eine Frauengruppe ausgewählt wird und dabei unterschlagen, dass sich auch Männer – und Frauen, die nicht im AFBL sind – gegen Wertmüller ausgesprochen haben)

3.a) Nicht nur das „wird“ wird unterschlagen, sondern auch, warum Mitglieder des AFBL, auch wenn sie nicht als solche sprechen (in der Form von „Wir vom AFBL…“ ) nicht als solche benannt werden sollten. Und: was das wiederum zu tun hat mit anderen Personen, die nicht gemeint waren. Es ist nebenbei auffällig, dass der vielzitierte Reigen gleichzeitig von einer Person

3.4  die nichts mit dem AFBL zu tun hat

3.b) beendet wurde, und

3.5  genau diese Personen [vom XXXX!] dann auch mit ihrer Kritik an Wertmüller den Reigen eröffnen konnten.

3.c) Doch bevor wir auf Verschwörungstheorien kommen über Menschen, die auf keinen Fall irgendwas mit dem AFBL zu tun haben, oder gar denken, dass die Initiative – warum denn nicht? es ist ja explizit erwähnt – von Personen aus dem AFBL-Umfeld ausging, betrachten wir das Ganze als ein Wunder, denn über Wunder kann man sich bekanntlich auch freuen.

4. Das Problem der Eigentlichkeit, die Eigentlichkeit des Problems

4.1  Das Problem an der Äußerung der einen Person war im übrigen nicht das Ergoogeln der Zitate. […]

4.2  Das Problem war vielmehr der Inhalt der gegoogelten Zitate. Es handelt sich dabei nicht um Originalquellen, sondern um einen kritischen Bericht über einen Kongress der Bahamas, der für uns unüberprüfbare Aussagen Justus Wertmüllers kolportierte.

4.2x) Q.E.D.!

4.3  Aber in einer erregten Diskussion sagen Einzelpersonen falsche, dumme, unreflektierte Dinge. Wenn aber das Bündnis gegen Antisemitismus als Gruppe einen sachlich klingenden Text verfasst, ist es peinlich, wenn sich solche Stellen im Text finden. Noch viel peinlicher wird das ganze allerdings, wenn das BgA, von uns auf diesen und viele andere Fehler in ihrer Erklärung angesprochen, nicht reagiert, gleichzeitig aber dienstbeflissen die Kritik von anderer Seite pariert, nämlich die treffende Beschreibung von Wertmüllers Diskussionsverhalten als „pöbelnd“ aus ihrem Text nimmt.

4.3y) Wieder ein Problem: der Text klingt sachlich (übersetzt: ernst), es sind aber Beschimpfungen darin, (Zitate gibt es leider nicht). Peinlich für das BgA ist es, die Verbesserungsvorschläge des Plenums zu ignorieren und den wirklichen Fehler [Veranstaltungserfahrung des Autors] zu berichtigen.

*

„Wer die Linke kritisieren will, muss ihre Sprache kritisieren – wer ihre Sprache kritisieren will, muss ihre Sprache lernen.“

(Jaques Délirant, in: Meine Bärte. Rendez-vous mit einigen geometrischen Radikalismen)

 

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5 Responses

  1. Booga sagt:

    ja ja polemik ist das neue black.

    für alle early early adopters hab ich was ganz abgefahrenes: irenik.

    „Den Irenikern war an gelingender Kommunikation zwischen den Konfessionen (lutherisch, reformiert, katholisch) gelegen, ohne grundlegende Glaubensnormen aufgeben zu müssen. Sie stehen somit in der Mitte zwischen Dogmatismus einerseits und Relativismus andererseits.“

    die müssten glaube ich noch weniger fans haben, als alle anderen.

  2. bechstein sagt:

    Es geht gar nicht darum, Polemik als solche hoch zu halten (das ist gar nicht nötig). Das traurige ist doch, dass es gar keine Begriffe mehr gibt für das Conne Island-Plenum. Das hat nichts mit Dogmatismus zu tun, sich darauf zu einigen, was rassistisch ist. So würde ich mir auch deinen ersten Satz zur Mode erklären (die Metapher trifft es nicht):
    manches in der Linken ist so abgefahren wahnsinnig dass es unmöglich ist, es zu widerlegen. Das fiese Sprachspiel besteht im konkreten Fall darin, jemanden als rassistisch und sexistisch zu bezeichnen, ohne rauszurücken, warum.

    Zur Irenik: ich verstehe den Text des Plenums als irenischen Versuch, Gemeinsamkeit zu stiften (‚letzendlich sind wir doch alle Antideutsche und CEE IEH und bonjour tristesse werden im Zoro gedruckt‘ etc.).
    Das übersieht aber, dass es grundsätzliche Widersprüche gibt, die gerade offen liegen (Siehe auch die Debatte um Hannes Gießler): Schutzraum vs. Gesellschaftlichkeit, Pomo vs. Begriffe, Islamkritik vs. Antirassismus…
    zudem strukturelle Widersprüche wie der CEE IEH als kritisches Medium und Werbeblatt in einem.
    Diese Widersprüche müssen ausgetragen oder besser vermittelt ausgehalten werden.
    Wer das nicht einsieht, sich dumm stellt oder die Diskussion trotzig-infantil verweigert mit dem Hinweis darauf, dass die anderen auch blöd sind, kann noch froh sein wenn es eine Polemik gibt, die sich mit derlei Unfug befasst.

  3. classless sagt:

    Hab gerade noch mal den Mitschnitt der angeblich unüberprüfbaren Kolportage rausgesucht:

    [audio src="http://www.classless.org/wp-content/uploads/2011/01/Wertmueller_gegenseitig_umbringen.mp3" /]

  4. bechstein sagt:

    Schön dass du dich um die Wahrheit bemühst und die Dinge ordnest.
    Aber was hat das mit meinen Ausführungen zu tun?

  5. classless sagt:

    Lediglich, dass darin der Link auf meinen „kritischen Bericht“ steckt…

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