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#1 Heidegger „kritisiert“ Marx

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5 Responses

  1. bersarin sagt:

    Was Heidegger hier zu Marx sagt, ist insofern falsch, als er das „Kapital“ unterschlägt, was ja nichts anderes macht, als die Weltverhältnisse in den Blick zu nehmen – mithin eine Lektüre dessen, was der Fall ist, vorzunehmen und diese Dinge auf den Begriff zu bringen, um es verkürzt und auf den Punkt zu formulieren.

    Mit dieser Fehleinschätzung, die M.H. Liefert, ist allerdings nicht Heidegger im ganzen widerlegt. Es gibt viel Fragwürdiges in seiner Philosophie, von der Biographie angefangen, aber genauso Aspekte und Denkbewegungen, die man ein wenig umpolen und gegenlesen muß und die zugleich lohnend sind. Hier wären dann die Philosophen aus Frankreich als Gegengewicht interessant, da sie Heidegger einen anderen, gleichsam einen linken Dreh geben.

  2. bechstein sagt:

    Was, denkst du, faszinierte und fasziniert Linke an Heidegger?
    Was findest du lohnend an Heidegger?

  3. bersarin sagt:

    Lohnend ist Heideggers Kritik der abendländischen Philosophie als Verdunkelungshorizont, die gewissermaßen zu einem eindimensionalen Denken führt (und das Buch eines der bekannteren Heideggerschüler hieß dann ganz ähnlich – nämlich von Herbert Marcuse „Der eindimensionale Mensch“.) Dieses vorstellende Denken, welches das Objekt als bloßes Objekt begreift, muß in die Kritik genommen werden. Heidegger macht das in einem sehr großen Wurf, leider ist dabei auch viel Jargon im Spiel. Der Kunstwerkbegriff Heideggers ist interessant als Modus einer erweiterten Erfahrung. Heideggers Kritik der Technik sollte man nicht unter den Tisch fallen lassen. Freilich muß man dabei auch die Ideologie, die darin steckt, in den Blick nehmen: diesen heimattümelnden Kitsch der „Feldwege“ bspw., über den Adorno sich in seiner „Philosophischen Terminologie“ ganz köstlich und vorzüglich lustig macht, und das Rückwärtsgewandte dabei.

    Auch die Dezentrierung des Subjekts, also nicht von ihm her zu denken, ist bedeutsam und sozusagen strukturalistisch zu nutzen.

    Weniger lohnend ist die Terminologie, die Ungeschichtlichkeit seiner Philosophie (obwohl M.H. dies so nicht sehen würde.) Und es ist deshalb wichtig, innerhalb des Textes von Heidegger einige Stränge etwas anders zu legen.

    Zum Schluß muß ich natürlich zurückfragen, worin Heidegger denn überhaupt zu kritisieren sei. (Die Biographie und sein widerliches Verhalten etwa Husserl gegenüber lassen wir außen vor, auch wenn es sich nicht um Nebensächlichkeiten handelt. Aber weder bei Lukács noch bei Heidegger interessieren mich primär die Biographien, sondern vielmehr die Texte.)

    ________

    Zum Schluß noch eine Empfehlung: Blogs werden auch wegen der Kommentare gelesen. Wenn diese nirgendwo zu sehen sind, so ist das unbefriedigend. Hier böte sich doch die rechte Spalte an, irgendwo zwischen Archiv und Blogroll. Ich mag das immer ganz gerne sehen, wer so kommentiert. Die Neugier (wie auch die Langeweile oder die Angst): bei Heidegger sind es ganz zentrale Kategorien.

  4. bechstein sagt:

    Das mit den Kommentaren ist eine gute Idee, auch wenn ich insgesamt am meisten schreibe.

    Ich weiss nicht, wo da der Lukács ist, aber: Heideggers Rektoratsrede ist auch ein Text, inklusive „Sieg Heil!“ am Ende.
    Dass Heidegger ein Nazi war, ist unbestritten, gerade deshalb sollten sich alle, die sich mit Heidegger beschäftigen (Hannah Arendt, Bersarin, ich nicht) eher versuchen, sich den Nazi Heidegger und den Philosophen Heidegger als eine Person vorzustellen.
    Weiterhin finde ich es erstaunlich, dass du selbst Sprache und Jargon vom Gedachten trennst. Der Kitsch hat doch auch einen Inhalt (vgl. Thomas Bernhard, Alte Meister, die Stelle habe ich rechts verlinkt).

    Fazit:
    Wer zwei oder mehr Bücher von Heidegger hat, der mache diese zu Geld und kaufe sich eine Hose.

  5. bersarin sagt:

    Du hast ja nicht unrecht. Aber das Potential Heidegger will ich nicht verschenken.

    Das Zitat aus „Alte Meister“ hatte ich auch bei mir im Blog einmal gebracht, und zwar bei einem Heideggerähnlichkeitswettbewert, den ich ausschrieb.

    Ich habe über 20 Bücher von Heidegger in meiner Bibliothek, was aber wenig ist, bei einer über 80-bändigen Ausgabe. Ich denke, aber die bleiben da auch stehen.

    Nein, die Rektoratsrede darf man nicht unter den Tisch fallen lassen, da hast Du recht, die anderen Texte aber auch nicht.

    Der dem Marxismus nicht völlig abholde Sartre kommt übrigens auch ein wenig von Heidegger her. „Das Sein und das Nichts“ wäre ohne Heidegger so nicht konzipiert worden.

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