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Das Rhizom ist noch immer nicht verfault

Ich freue mich ja immer besonders, wenn Themen und Ideen von mir aufgegriffen werden, um Unfug zu verbreiten. Zum gleichen Zitat von Felix Baum,

What condemns the vast majority of Palestinians to poverty in their existence is, to an extent, superfluous and devalued labor-power, a fate they share with millions of slum-dwellers the world over and one that would hardly be altered by founding a Palestinian state. Historically, Palestinians were proletarianized by Israel, which separated them from the land, but because Labor Zionism did not want to integrate them as wage-laborers any more than the Arab states were apparently capable of doing, for generations hundreds of thousands of Palestinian refugees have scraped together a wretched existence in Arab camps, dependent on the charity of international aid organizations.

schreibt das Rhizom (<- Link zum Kommentar) einen Tag später als ich:

Für Baum ist Israels Staatsgründung das Initial einer ‚ursprünglichen Akkumulation‘, die die Palästinenser von ihrem Land enteignete, um sie aufgrund der Nichtverwertbarkeit ihrer Arbeitskraft fast unmittelbar in eine von internationalen Hilfsorganisationen abhängige ‚absolute Überbevölkerung‘ zu verwandeln. Doch so richtig es ist, den Fans des palästinensischen Nationalismus unter die Nase zu reiben, dass die Gründung eines eigenen Staats keine Lösung für Armut und soziale Ungleichheit verspricht, so ideologisch ist es, die menschlichen Härten der Okkupation durch diesen Verweis einfach wegzuretuschieren: täglich stundenlanges Warten vor Check­points, tagelange Ausgangssperren, Abriss von Wohnhäusern, willkürliche Inhaftierungen, Auslieferung an die straflose Gewalt von Siedlern und Soldaten – das geht in einem Begriff von Kapitalismus als ‚unpersönlicher Herrschaft‘ nicht auf.“

Ganz abgesehen von der üblichen Palipropaganda, die Siedler und Soldaten auf einer Seite stehend imaginiert: die Hamas-Regierung muss unpersönliche Herrschaft ausüben, als unsichtbares Komitee etwa, genauso wie Yassir Arafat eigentlich eine Unperson gewesen sein müsste. Sonst müsste das Rhizom sie ja auch nennen, und Geschichte mit denken; wie etwa die Geschichte des muslimisch-arabischen Antisemitismus und seiner tödlichen Konsequenzen.

Wer aber vom Förderverein des Vereins freier Menschen längst in den Verein für unterdrückte Völker gewechselt ist, interessiert sich für derartige Details natürlich nicht; ebensowenig für die Geschichte der der Palästinensischen Kommunistischen Partei, die schon ab 1923 den Klassenkampf zugunsten des Kampfes gegen den Zionismus aufgab. Obwohl es seit dieser Zeit schon entschieden war, dass die feudale und religiöse Reaktion und der antisemitische Querfront-Mob nur mit Krieg und lobenswerter Unterdrückung und Verfolgung à la Mubarak aufgehalten werden konnten, sieht der linke Kritiker stets nur den bösen Imperialismus am Werke, ganz egal gegen wen es gerade geht.

Doch ist die Okkupation, ob sie einen interessiert oder man die Beschäftigung damit für eine Manie hält, nur ein Spezialfall unter vielen. Genauso wie Israel in der Aufrechterhaltung der Besatzung von den astronomischen Militärhilfen der Vereinigten Staaten und ihrem Veto im Sicherheitsrat abhängt, also Lizenznehmer des amerikanischen Imperialismus ist, wurden in den vergangen Jahrzehnten auch unzählige arabische Folter-Diktaturen vom Westen gegen die eigenen Bevölkerung hochgerüstet.

Das Rhizom wurzelt weiter in den begrabenen Leichen des linken wie rechten Antiimperialismus und rottet vor sich hin.

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Einsortiert unter:Anarchismus, Antifaschismus, Antisemitismus, Israel, Politik, , ,

8 Responses

  1. bolle sagt:

    „lobenswerter Unterdrückung und Verfolgung“

    schön, deine einstellung mal auf einen punkt gebracht zu sehen.

  2. Fara sagt:

    Das will ich dir gerne beantworten: Keinen Unterschied zu machen zwischen „dem Antisemiten“ und „dem Menschen“. Der Antismeitismus ist doch keine „Charaktermaske“, sondern deren barbarische Aufhebung.
    Bitte um Berichtigung, sollte ich mich da täuschen.

  3. Fara sagt:

    Daher werden „Unterdrückung und Verfolgung“ ja als „lobenswerte“ unterschieden. Jede Verfolgung abstrakt zu negieren, impliziert es gäbe die bedingungslose „Unterdrückung und Verfolgung“ an sich, die man dann ganz gewissenhaft als guter Mensch immer grausam finden kann. Dass bolle auf diese Schlagwörter so anspringt, und nich von deren Kontext im Artikel sprechen möchte, zeigt nur, wie äußerlich sie/er/es/_ den Dingen bleibt.

    • bechstein sagt:

      Ja. Ich verstehe auch nicht, wie in diesem Kontext (mit den Wikipedia-Links) der Eindruck entstehen könnte, dass ich universelle Unterdrückung gutheiße.
      Um weitere „Missverständnisse“ zu vermeiden: ich glaube nicht, dass jede Opposition gegen Mubarak notwendig antisemitisch motiviert sein muss.
      Man beachte aber die Geschichte der Muslimbruderschaft und die des Panarabismus bzw. Nasserismus (Sadat hat damals Frieden mit Israel geschlossen und wurde dafür ermordet). Politische Bewegungen entstehen nicht aus dem Nichts oder aus Facebook.

  4. Fara sagt:

    Ich konnte mir Bolles Kommentar nur so erklären, dass er die Verfolgung von Feinden Israel (nun wurden nicht nur die von Mubarak verfolg aber um die geht es ja in dem Artikel) als allgemein „Unterdrückung und Verfolgung“ von Menschen verurteilt. Dies würde eben diese Unterscheidung implizieren, da ja alle auch Menschen sind. Aber ja, mein Mitteilungsbedürfnis ist übergeschnappt.

    • bechstein sagt:

      Ahh jetzt verstehe ich. Ich vermute desweiteren: Gleichsetzung von Humanismus und „Humanität“, Anarchismus oder ähnlichen Unfug.

      Ich hätte trotzdem sehr gerne gewusst, was bolle für meine „Einstellung“ hält.

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