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Anders Breivik: Christ, aufrechter Antikommunist, Faschist

von Victor Bechstein

Wenn Anders Breivik friedlich weiter gehetzt hätte, statt als Exempel einen Sprengstoffanschlag zu verüben und auf unschuldige Jugendliche zu schießen, hätte die Welt nie in dieser Deutlichkeit und Schmerzhaftigkeit erfahren, wie es um die konservative Revolution steht. Sehr schlecht. Der Unternehmer, Individualist und Steuerrebell muss selbst in den christlich-noblen Kampf ziehen, selbst die Waffe in die Hand nehmen und aufräumen mit den sogenannten Kulturmarxisten und allen Anderen, die ihn zu bedrohen scheinen.

Spiegel Online schreibt:

Er liest psychologische Bücher, lernen wir auf seiner Profilseite, aber auch John Stuart Mills ‚On Liberty‘, Richard Rortys ‚Consequences of Pragmatism‘ sowie Kafkas ‚Der Prozess‘. Spiegelt sich in all dem schon eine Geisteshaltung?

Ich ergänze: George Orwells „1984“ und beantworte diese idiotische Frage folgendermaßen:

Obwohl Breivik ein gewöhnlicher Faschist ist (dazu später) hält er sich für einen Liberalen. Selbstverständlich ist er in einer pervertierten Form auch liberal, indem er den heutigen Gehalt liberaler Klassiker richtig erkennt. Die Verbindungslinie ist jedoch der Antikommunismus, die Ideologie, die dem Liberalismus innewohnt, ihn seit 1848 zersetzt und in den Wahnsinn treibt. Thomas Mann hat das noch erkannt, alle die jetzt über Anders Breivik schreiben offensichtlich nicht. Es wird wild psychologisiert, biographiert; in öffentlichen Verlautbarungen wimmelt es von Allgemeinplätzen, die sich auf Aussagen wie „Hass ist schlecht, Gewalt ist schlecht, Töten ist falsch“ reduzieren lassen. Breivik selbst hat jedoch sehr genau und detailliert beschrieben, was ihn motivierte: der Widerstand gegen ein totalitäres Regime.

Dass ein sozialdemokratisch regierter Staat als solches wahrgenommen werden kann, klingt irre, ist aber konsequent. Nach 1989 gibt es kaum noch Bolschewisten, echte Kommunisten also, die man hassen kann, die heimlich das eigene Scheitern mitverursachen, es auf den Einzelnen und sein Eigentum abgesehen haben und die Freiheit der Individuen, andere zu unterdrücken, unterdrücken. Übrig geblieben ist nur die Sozialdemokratie, die in ihren Verfallsformen immer noch linke Werte vertritt , sowie Kulturmarxisten (inkl. Juden), die angeblich durch Verschwörung seit den 1920ern konservative Werte zersetzen.

All dies ist jedoch nur die Oberfläche. Anders Breivik verwendete viel Zeit und Mühe darauf, sein Handeln idealistisch zu verbrämen. Objektiv betrachtet betrieb er jedoch nur Klassenkampf von oben, die Ermordung derer, die die eigenen Privilegien in Zukunft gefährden könnten. Wie ich schon andeutete handelt es sich bei ihm um einen gewöhnlichen Faschisten, der bloß zu nationalistisch ist, um Adolf Hitler zu mögen. Ideologisch lässt er sich jedoch problemlos in eine Reihe mit Ante Pavelic, Andrej Hlinka und Corneliu Zelea Codreanu stellen. Dem Faschismus war es schon immer egal, ob er katholisch, orthodox, protestantisch, muslimisch oder heidnisch daherkommt. Er geht stets eine Symbiose mit den reaktionären Kräften ein, wenn diese zu impotent sind, ihn selbst zu erschaffen. Der heutige postmoderne Faschismus aka konservative Revolution ist ja ebenso eklektizistisch was die Ideologie angeht. Verteidiger des Abendlandes, Ayn-Rand-Libertäre, Katholiken, Ernst-Jünger-Jünger, Trotzkisten, antitotalitäre Bürgerrechtler, Hamburger Gymnasiasteneltern, Marktfans, Bio-Bauern, Islamisten, Infokrieger, etc. pp. würden lieber die Apokalypse auslösen, als eine tatsächliche Revolution zu erlauben, von der sie nichts Positives erwarten können. Ich bin sehr froh, dass sie aufgrund des ganzen idealistischen Geschwafels ihr gemeinsames Interesse noch nicht erkannt haben.

Zuletzt ist noch zu bemerken, dass der Abschaum des Bürgertums nicht vom bürgerlichen Staat selbst konsequent bekämpft werden kann. Nicht etwa, weil Judikative und Exekutive auf dem rechten Auge blind seien, das Problem ist, dass sie das gleiche Geschäft, den Antikommunismus, betreiben. Um ähnliches in Deutschland zu verhindern, müsste der Verfassungsschutz sich selbst verfolgen. Das zu fordern wäre tatsächlich verrückt.

Allerletztes Schlusswort:

Wer im Geiste Winston Churchills handelt, kann eigentlich kein schlechter Mensch sein

– Bahamas-Redaktion (Nr. 59).

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