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Schostakowitschs Beitrag zur Formalismusdebatte

von Victor Bechstein

Dass Kritik auch verspätet zünden kann und dabei dann umso größere Schäden anrichtet, beweist die Geschichte des Anti-Formalistischen Rayok von Schostakowitsch. Geschrieben und vertont 1957, 1989 veröffentlicht, wird das Stück 2005 im Beisein des Musikliebhabers Boris Jelzin aufgeführt.

Ursprünglich nur als Stück zur privaten Unterhaltung, als Ausdruck des Scheiterns am Verständnis richtiger, also politischer Ästhetik, geschrieben, wird es jetzt im großen Rahmen aufgeführt. Das neue russische Bürgertum kann erleichtert auflachen, die Kunst ist frei (wird nicht mehr ernst genommen), die eigene Stellung gesichert, das Land von korrupten, also lupenreinen, Demokraten regiert. Das Unverständnis wird allgemein. Ironischer Can-Can am Schluss als Zurücknahme Offenbachs.

Wenn ich von richtiger Ästhetik schreibe, meint das nicht, dass der von Schostakowitsch parodierte Schdanow fehlerfrei richtig lag. Der Begriff der Volkstümlichkeit, um nur ein Beispiel zu geben, ist kein guter, zur Bewertung von Kunstwerken ungeeignet. Ihn zu verwenden hieße ein Kunstwerk an der Volkskunst zu messen, das Schaffen eines Professionellen am allgemeinen Dilettantentum. Egal wie hoch dieses reicht, der Vergleich wäre unzulässig.

Die Tendenz ist jedoch zu verteidigen. Ein unverständliches oder unnötig komplexes Kunstwerk ist immer schlecht, noch schlimmer nur, wenn es absichtlich so angelegt ist. Im Extremfall bedeutet das Sadismus gegen das Publikum; Publikumsbeschimpfung, Regietheater, Noise. Also alle vermeintliche Errungenschaften der kulturellen Freiheit. Im Kern ist die sogenannte Avantgarde in der Kunst, seit den Futuristen bis heute, antihumanistisch. Es ist Schdanow hoch anzurechnen, dies, im Gegensatz zu Lunatscharski, früh erkannt zu haben. Wer in den konterrevolutionären Mob schießt, trifft immer die Richtigen. Schostakowitsch hat das tragischerweise nie verstanden.

 

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