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Zufällig Kunst

von Victor B.

Wie alle kulturelle Erscheinungen ist auch die Kunst heute wechselnden Moden unterworfen. Innerhalb der westlichen künstlerischen Moderne, der heute herrschenden Tradition, gibt es zwar nur eine Tendenz: die Flucht vor der Kunst überhaupt. Die Unterströmungen sind dabei aber so vielfältig und überlagernd wie Farbkleckse auf einem Bild von Jackson Pollock. Und gleich uninteressant in ihrer Verschiedenheit. Alle Strömungen der formalistischen Moderne, ob Futurismus, Dadaismus, Kubismus, Surrealismus, Situationismus, Tachismus, abstrakter Expressionismus, Pop-Art, Fluxus, Konzeptkunst, Minimalismus, Nekromantismus, Arschlochismus, Peniskunst etc. haben durch ihr übermäßiges Interesse an der Formgestaltung eine Vielzahl an Chimären und verkrüppelten Einzellern hervorgebracht, der Fortschritt in der Kunst wurde jedoch einzig von Künstlern geschafft, die durch genügend Können und Hirnarbeit in der Lage waren, sich über den allgemeinen Morast zu erheben und gleichzeitig die Hervorbringungen der übrigen Idioten produktiv zu verwerten, und sei es auch nur durch Kompostierung.

Analog zum Kampf der Klassen um Gegenwart und Zukunft muss auch in der Ästhetik die Kunstgeschichte als Kampf zwischen Irrationalismus und Rationalismus, Anarchismus und Gattung, Underground und Mainstream, Kult des Hässlichen versus Verehrung des Schönen betrachtet werden. Nur auf diesem Standpunkt lässt sich ein Ganzes erkennen. Der Kampf gegen die Errungenschaften in der bürgerlichen Kunst seit dem Niedergang des Feudalismus, oder bildhaft nach Lukács, seit Giotto. Gemeinsam ist die Abschaffung der Perspektive, der harmonischen Proportion und inhaltlich: der Bezug zur Welt überhaupt sowie die Ablehnung eines sprachlich formulierbaren, also gedanklich erfassbaren, Inhalts.

Nun zum Beispiel: John Cage, ist Prototyp des avantgardistischen Künstlers, biographisch wie werkimmanent und generell sowieso. Er war nie verlegen, jeden Zweifel über seine Dummheit und sein Scheitern an Musik durch Worte zu beseitigen. In einem Film über sich spricht er davon, kein Gefühl für Harmonie zu haben, was ihm sein Lehrer Arnold Schönberg bestätigte. Trotz der Offensichtlichkeit, dass Musik ohne Harmonie nicht auskommen kann, hätte er weiter machen müssen, da er Schönberg schon versprochen bzw. angedroht hatte, sein Leben der Musik zu widmen. Was Cage durch mangelndes Können nicht erreichen konnte, musste er vergewaltigen. Anders gesagt, wenn Musik nicht ohne Harmonie auskommt, muss ein Begriff von Musik her, der pures Geräusch mit einschließt, Stille zum wichtigsten Element erklärt; schließlich ein Begriff der so allgemein ist, dass er sich selbst überflüssig macht. Praktisch macht es dann keinen Unterschied mehr ob ein romantisch-langweiliges Klavierstück herauskommt, die ausführende Person gar nichts spielt oder an Radios herumgeschraubt wird. Publikum und Weltgeist lachen nur über solche Clownerie.

Als versöhnlicher Abschluss und Entschuldigung für die Kotbeschau eine zur Saison passende Komposition Arnold Schönbergs. Wahrscheinlich seine schönste überhaupt.

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