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Peinlich: Deutsche im Ausland

Schlimm genug, wenn Deutsche im Urlaub mit ihren schlechten Manieren allen auf die Nerven gehen. Noch schlimmer aber ein deutscher Schriftsteller, der verreist, darüber Tagebuch schreibt und dieses dann veröffentlicht.
Ein veröffentlichtes Tagebuch ist eh schon immer ein Ärgernis, in den meisten Fällen nur von Interesse, wenn es von großen Persönlichkeiten stammt, bzw. wenn es die (Literatur-)Geschichte von einer subjektiven Seite erhellen kann. Für gewöhnlich sind Tagebücher aber für das Publikum banal, langweilig oder peinlich. Eugen Ruges Kuba-Reisetagebuch gehört zur zweiten Kategorie und ist alles davon.

Das mindeste, was man erwarten könnte, wäre, wenn ein Autor etwas über das bereiste Land schreibt, was man nicht eh schon weiss. Also nicht, dass die meisten Autos alt sind, Fidel Castro und Che Guevara Nationalhelden und dass Hemingway gesoffen hat. Ruge sucht und findet überall seine eigenen Befindlichkeiten. Er kann nicht einfach mal schreiben, was es denn auf der Buchmesse gibt, die er besucht. Für ihn ist bloß bemerkenswert, dass nicht der für deutsche Buchmessen übliche Nazi-Kitsch-Schund ausgestellt wird. Krass!

Auch die Politik kommt nicht gut weg, man ist ja kritisch. Was hat die Revolution Kuba gebracht, außer die Befreiung von einem brutalen Diktator, weiterhin ein verhältnismäßig gutes Bildungs- und Gesundheitssystem und eine garantierte Grundsicherung?

Wo sind die neuen Werte? Wo ist das neue Leben? Wo ist das Glück? Stattdessen politische Repression, widerliche Inszenierungen der Macht und die typische, im Kommunismus niemals überwundene Orientierung am Westen.

Aha! Langsam kommt Ruge zum Punkt:

Natürlich stoßen mich die Touristen ab, die hierher fahren, um billig-billig Südstrände zu genießen, zu fressen, während die Leute ringsum knapp nicht hungern; unansehnliche weiße Frauen lassen sich von Kubanern umschwärmen, Männer kaufen sich junge Kubanerinnen. Aber die andere Seite: Die jungen Kubanerinnen verkaufen sich eben auch, das ganze Land verkauft sich – und das ist ebenso widerwärtig.

Es ist natürlich schlimm, wenn man selbst schon eine unansehnliche weiße Frau hat; aber den Kubanerinnen ernsthaft vorzuwerfen dass sie sich nicht nur kaufen lassen, sondern sich (!) auch(!) selbst(!) verkaufen – das ist ebenso widerwärtig wie Ruges generelle moralische Empörung. Es wird aber noch besser:

Der Tourismus macht dem normalen Kubaner auf widerwärtigste Weise klar, dass er ein Mensch zweiter Klasse ist. Die Ausländer essen besser, sie fahren in leisen, klimatisierten Autos umher, schlafen in altehrwürdigen Hotels und lassen sich von den Einheimischen bedienen und verwöhnen. Wenn dieser Sozialismus es nach 50 Jahren nicht geschafft hat, einen Menschen hervorzubringen, der über die Lebensweise des weißen Mannes lacht, anstatt sie, sobald er irgendwie kann, nachzuahmen, dann hat er eigentlich kaum eine Berechtigung.

Gut beobachtet, Eugen. Ganz anders als wie hier. Aber schuldig sollen sich mal die dekadenten Touris am Nachbartisch fühlen und nicht die vom Goethe-Institut bezahlten, langustenfressenden Kulturmenschen, die sich bedienen lassen, sich freuen dass alles ja so billig ist, um sich dann, zurück in Deutschland darüber auszulassen, wieviel Dreck und Lärm die ganzen Menschen dort doch machen, dann schlussendlich festzustellen, dass ihre Daseinsfürsorge kaum berechtigt ist.

Deutscher Schriftstellerabschaum: HALT! DIE! FRESSEEEEEEE!

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